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DSA-Pflichten für LegalTech-Plattformen: Checkliste Teil 1

Hananeh Shahteimoori 6 Min. Lesezeit
DSA-Pflichten für LegalTech-Plattformen: Checkliste Teil 1

In der heutigen sich schnell entwickelnden digitalen Landschaft hat die Europäische Union den Digital Services Act (DSA) eingeführt, um einen umfassenden Rahmen für ein sichereres und verantwortungsvolleres Online-Umfeld zu schaffen. Diese Gesetzgebung verpflichtet digitale Plattformen, illegale Inhalte zu bekämpfen, Transparenz zu erhöhen und Nutzerrechte zu schützen.

Legaltech-Plattformen arbeiten an der Schnittstelle von Technologie und Rechtsdienstleistungen. Sie müssen den DSA befolgen, um compliant zu bleiben und ihre Dienste vertrauenswürdig zu halten. Ein Blick auf die KI-Regulierung und den EU AI Act ist ebenfalls empfehlenswert. Dieser Artikel präsentiert eine DSA-Compliance-Checkliste, die speziell auf Legaltech-Plattformen zugeschnitten ist und sie durch die wesentlichen Anforderungen und Best Practices führt, um sich an die neuen regulatorischen Standards anzupassen.

Allgemeine Pflichten (Alle digitalen Dienste)

Die allgemeinen Pflichten unter dem Digital Services Act (DSA) legen die grundlegenden Verantwortlichkeiten fest, die für alle Anbieter digitaler Dienste gelten, unabhängig von Größe oder spezifischer Funktion. Diese Pflichten zielen darauf ab, Transparenz, Verantwortlichkeit und Nutzerschutz in der gesamten digitalen Landschaft der EU sicherzustellen.

Anbieter müssen klare und leicht verständliche Nutzungsbedingungen vorhalten. Sie sollten auch Kontaktstellen für Nutzer und Behörden haben. Wenn sie von außerhalb der EU operieren, müssen sie einen Rechtsvertreter benennen.

Anbieter müssen ihre Regeln fair anwenden. Sie sollten Nutzer auch über wichtige Änderungen informieren. Dies hilft, Grundrechte wie die Meinungsfreiheit zu schützen. Diese Anforderungen bilden die Basis für einen rechtmäßigen und verantwortungsvollen Betrieb innerhalb des digitalen EU-Marktes. Erfahre mehr über die KI-Regulierung und ihre Zukunft.

Rechtsvertreter:

Wenn dein Unternehmen nicht in einem EU-Mitgliedstaat ansässig ist, hast du einen Rechtsvertreter innerhalb der EU benannt, der DSA-Angelegenheiten bearbeitet? (Artikel 13 DSA)

Kontaktstellen:

Hast du eine Kontaktstelle für EU-Behörden und eine leicht zugängliche Kontaktmethode für Nutzer eingerichtet, um dich bei DSA-bezogenen Fragen zu erreichen? (Artikel 11–12 DSA)

Transparenz der Nutzungsbedingungen:

Erläutern deine Allgemeinen Geschäftsbedingungen klar alle Einschränkungen oder Richtlinien zu Nutzerinhalten und -verhalten – einschließlich deiner Content-Moderationstools/-verfahren und Beschwerdemechanismen – in verständlicher, nutzerfreundlicher Sprache? (Artikel 14(1) DSA)

Benachrichtigung über Änderungen der Nutzungsbedingungen:

Informierst du Nutzer über wesentliche Änderungen deiner Nutzungsbedingungen? (Artikel 14(2) DSA)

Faire Durchsetzung der Nutzungsbedingungen:

Wendest du deine Regeln sorgfältig, objektiv und verhältnismäßig an, unter gebührender Berücksichtigung der Rechte der Nutzer (z. B. Meinungsfreiheit und andere Grundrechte)? (Artikel 14(4) DSA)

Content-Moderation & Nutzerrechte

Content-Moderation und Nutzerrechte unter dem DSA zielen darauf ab, den Online-Raum sicherer und klarer zu gestalten, indem reguliert wird, wie Plattformen mit illegalen oder schädlichen Inhalten umgehen. Gleichzeitig werden die Grundrechte der Nutzer geschützt.

Diese Regeln verlangen von Plattformen, faire und schnelle Wege zur Entfernung von Inhalten zu schaffen. Nutzer müssen benachrichtigt werden, wenn Inhalte entfernt werden. Plattformen müssen auch einfache Möglichkeiten für Nutzer bieten, Beschwerden einzureichen.

Sie etablieren auch Prozesse für die Meldung illegaler Inhalte, die Zusammenarbeit mit Behörden und die Verhinderung des Missbrauchs von Meldesystemen. Dieser Abschnitt stellt sicher, dass Moderationsentscheidungen klar, verantwortungsvoll und respektvoll gegenüber der Meinungsfreiheit und fairen Behandlung der Nutzer sind.

Befolgung von Entfernungsanordnungen:

Hast du einen Prozess, um offiziellen Anordnungen von EU-Behörden zur Entfernung oder Sperrung des Zugangs zu illegalen Inhalten sowie Anordnungen zur Bereitstellung von Informationen (z. B. über Nutzer) für Ermittlungen umgehend nachzukommen? (Artikel 9–10 DSA)

Hinweis-und-Aktions-Mechanismus:

Bietest du einen einfach zu nutzenden Hinweis-und-Aktions-Mechanismus für jeden, um dich über illegale Inhalte auf deinem Dienst zu informieren, und handelst du zügig, um gemeldete illegale Inhalte zu entfernen oder zu sperren, wenn dies gerechtfertigt ist? (Artikel 16 DSA)

Begründung für Entfernungen:

Wenn du von Nutzern gepostete Inhalte entfernst oder das Konto eines Nutzers sperrst, informierst du den Nutzer über die Entscheidung und die Gründe dafür? (Artikel 17 DSA)

Meldung von Straftaten:

Wenn du Kenntnis von Informationen erhältst, die auf eine schwere Straftat hindeuten, die eine Bedrohung für das Leben oder die Sicherheit einer Person darstellt, informierst du umgehend die Strafverfolgungsbehörden? (Artikel 18 DSA)

Internes Beschwerdesystem:

Wenn du kein Kleinst- oder Kleinunternehmen bist, hast du ein internes Beschwerdesystem eingerichtet, das es Nutzern ermöglicht, deine Entscheidungen zur Entfernung von Inhalten oder Sperrung von Diensten anzufechten? (Artikel 20 DSA; Artikel 19 DSA Ausnahme für Kleinst-/Kleinunternehmen)

Außergerichtliche Streitbeilegung:

Wenn du kein Kleinst- oder Kleinunternehmen bist, arbeitest du mit unabhängigen Streitbeilegungsstellen zusammen, die unter dem Digital Services Act (DSA) zertifiziert sind, um Nutzerstreitigkeiten über Content-Moderationsentscheidungen zu lösen? (Artikel 21 DSA; Artikel 19 DSA Ausnahme)

Vertrauenswürdige Hinweisgeber:

Hast du ein System, um Hinweise von „vertrauenswürdigen Hinweisgebern” (Organisationen oder Behörden, die offiziell für die Kennzeichnung rechtswidriger Inhalte anerkannt sind) zügig zu bearbeiten und ihren Meldungen Priorität und Rückmeldung zu geben? (Artikel 22 DSA)

Missbrauchsverhinderung:

Setzt du Maßnahmen gegen den Missbrauch deiner Plattform durch – z. B. Sperrung oder Kündigung von Nutzern, die häufig illegale Inhalte posten oder missbräuchliche oder offensichtlich unbegründete Hinweise/Beschwerden einreichen? (Artikel 23 DSA)

Recht auf Erklärung bei automatisierten Entscheidungen (Artikel 22(1) DSA)

Bietet die Plattform Nutzern eine klare und zugängliche Erklärung, wenn ein automatisiertes Moderationssystem eine Entscheidung trifft, die ihre Inhalte oder ihr Konto betrifft?

(Die Checkliste verlangt derzeit nicht von Plattformen, Nutzern detaillierte Begründungen anzubieten, was für Transparenz und Fairness bei automatisierten Entscheidungen unerlässlich ist.)

Schlusswort

In diesem ersten Teil unserer DSA-Compliance-Checkliste für LegalTech-Plattformen haben wir wesentliche Pflichten behandelt, einschließlich Content-Moderationspflichten, Hinweis- und Aktionsmechanismen, vertrauenswürdige Hinweisgeber und Maßnahmen gegen illegale Inhalte. Die Einhaltung dieser grundlegenden Aspekte ist entscheidend für die Aufrechterhaltung einer rechtlich einwandfreien und vertrauenswürdigen digitalen Plattform.

Im zweiten Teil dieser Serie werden wir Transparenz & Plattformverantwortung vertiefen und untersuchen, wie Plattformen ihre Content-Moderationsrichtlinien, Empfehlungssysteme und Werbepraktiken offenlegen müssen. Wir werden auch den Schutz von Minderjährigen, E-Commerce-Pflichten und zusätzliche Verantwortlichkeiten für sehr große Online-Plattformen behandeln. Bleib dran für praktische Einblicke und umsetzbare Schritte, um deine LegalTech-Plattform weiter an den DSA anzupassen.

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